> Trailer (YouTube; Excerpts by Wendla Nölle)
Erstaufführung:
Senckenberg Naturmuseum, Frankfurt
08.04. - 09.06.2011
Dauer:
ca. 20 Minuten
Form:
Filmprojektion auf 4 Gaze-Vorhänge im Raum
und akustische Installation
Minenarbeiter: Suharsono
Sprache: Birgit Heuser, Gala Winter
Kamera und Schnitt: Eike Zuleeg
Set-Regie: Wendla Nölle
Ton: Holger Jung
Produktionsleitung: Tidi von Tiedemann
Konzept, Drehbuch und Produktion:
Frank Moritz (†) und Claudius A. Massinger |
SINNFRAGE VIDEOINSTALLATION

Zu einem Film, den Eike Zuleeg in Indonesien über die reale Absurdität des Lebens drehte, werden Texte von Hölderlin, Nietzsche und Camus inszeniert. Die Kamera begleitet den modernen Sisyphos bei seiner zehn bis zwölf Stunden-Schicht inmitten schwefelgelber Gaswolken im Krater des Vulkans Ijen auf der Insel Java: Sein Name ist Suharsono, er arbeitet seit 36 Jahren in der Schwefelmine. Die 70 bis 80 Kilo schweren Schwefelbrocken, die der Arbeiter herausschlagen und schultern muss, benötigt im Grunde niemand. Schwefel ist ein Abfallprodukt, das die Industrie weltweit im Überfluss produziert. Für indonesische Zuckerfabriken ist es allerdings noch billiger, die Schwefelstecher in den Vulkankrater zu schicken. Doch Suharsono und die anderen Arbeiter vom Kawah Ijen sind stolz auf ihren Berg, der ihnen ein bescheidenes Auskommen sichert.
„Der Kampf gegen Gipfel vermag ein Menschenherz auszufüllen“, schreibt Camus. Sein „Mythos des Sisyphos“ und Nietzsches „Der tolle Mensch“ bilden die Plattform für die künstlerische Auseinandersetzung über den ewig suchenden Menschen. Über seine Hoffnungen und seine gescheiterten Utopien, wenn der Stein immer wieder den Berg hinabrollt und erneut hinaufgerollt werden muss wie in der Geschichte von Sisyphos. Der Mensch auf der Suche nach der einen, der absoluten Wahrheit muss erkennen, dass es diese nicht gibt. Doch kann aus dieser Aussichtslosigkeit eine Perspektive erwachsen? Liegt in der Sinnlosigkeit ein Sinn? Lässt sich die Schicksalhaftigkeit gegen eine Idee von Freiheit tauschen?
Die knapp 20-minütige Videoinstallation „Sinnfrage“ kann darauf keine Antworten geben; sie will eher anregen, über die altbekannte Frage nach dem Warum in einem anderen Kontext neu zu denken, anders zu denken.
(Foto: Eike Zuleeg)
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